Geschichte
Die Historie der Schreiberhuber’schen Guts- und Forstverwaltung setzt sich aus drei dicht ineinander verflochtenen Geschichten dreier bis zum heutigen Tage über 700 Jahre im Familienbesitz befindlichen Landwirtschaften, dem Plassgut in Ansfelden, dem Ansitz Auhof in Kremsmünster und dem Sumerauerhof in St. Florian zusammen.
1299
Erste urkundliche Erwähnung des Ansitzes Auhof zu Kremsmünster als „Curia in Au“ im Kremsmünsterer Stifturbar.
1413
Erster urkundlich erwähnter landwirtschaftlich betreibender Vorfahre der Familie Schreiberhuber war der adelige Gutsbesitzer Ulrich von Summerau, der als „Ulricus de Summerau“ 1413 am Sumerauerhof in der St. Florianer Stiftschronik erwähnt wurde.
Bekannteste der Freiherren von Summerau, direkte Vorfahren der Familie Schreiberhuber, waren der ab 1264 auf der Ennsburg in Enns ansässige Landrichter der Provinz Österreich ob der Enns (iudex Austriae superioris):
Konrad von Summerau, der als erster oberösterreichischer Landeshauptmann gilt,
Philipp Joachim Reichsfürst von Heitersheim, Reichsfreiherr Vogt von Alten-Summerau und Prasberg, war ab 1754 Großprior des Deutschen Johanniter und Malteserordens und besaß damit die Reichsfürstenwürde.
Sixt Werner Vogt von Alten-Summerau und Prasberg war von 1626 bis 1627 Fürstbischof von Konstanz und als Landesherr des Hochstifts Konstanz Reichsfürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Franz Johann Vogt von Alten-Summerau und Prasberg (seit 1674 Reichsfreiherr) wurde 1611 auf Schloss Achberg im Westallgäu geboren und war von 1645 bis 1689 Fürstbischof von Konstanz und Reichsfürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.
Anton Thaddäus von Summerau (ab 1753 erster vorderösterreichischer Regierungspräsident) und sein Neffe
Joseph Thaddäus von Summerau, der ab 1791 der letzte vorderösterreichische Regierungspräsident war.
1527
Erste urkundliche Erwähnung des Plassgutes zu Ansfelden in der Gülteinlage Ebelsberg.
1809
Während des fünften Koalitionskrieges besiegten napoleonische Truppen am 3. Mai 1809 in der Schlacht bei Ebelsberg die österreichische Armee. In der Folge führte ihr Marsch über die an das Plassgut angrenzenden Felder entlang der Plassstraße. Die auf den Feldern aufgefundenen Waffen- und Ausrüstungsreste gelten als Zeugnisse dieses Truppendurchzuges.
1822
Kaiser Franz I. von Österreich führt seinen Verbündeten Zar Alexander I. von Russland im Zuge einer gemeinsamen Österreichreise nach Ansfelden, um ihm die wohlhabenden landwirtschaftlichen Betriebe seines Landes zu zeigen, berichtet 1842 der deutsche Reiseschriftsteller und Stadtbibliothekar von Bremen Johann Georg Kohl in seinem Werk „Reiseberichte über Österreich, das bayrische Hochland, Dänemark und Großbritannien“.
1869–1874
Fertigstellung des Umbaus und der Erweiterung des heute im Stil des klassizistischen Barock bzw. Josephinismus erscheinenden Plassgutes.
1906–1911
Neuerrichtung des heute unter Denkmalschutz stehenden Ansitzes Auhofs zu Kremsmünster im Stil des ausklingenden Historismus/Jugendstils. Als Vorbild des Baus diente das in Ansfelden befindliche Gut Ritzlhof, das 1817 Michael Schreiberhuber gehörte. 1875 wurde das Gut Ritzlhof von der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn übernommen und zu einer Landesackerbau- und Obstbauschule umgewandelt.
1938
Durch das Deutsche Reich wurden 23 Hektar Ackerland zwangsenteignet, um die für den Ausbau des überregionalen Verkehrsnetzes benötigten Flächen bereitzustellen. Auf den ehemals landwirtschaftlich genutzten Grundstücken befinden sich heute die Autobahntrasse sowie die dazugehörigen Tankstellen- und Raststättenanlagen.
1945
In der Nachkriegszeit, als Österreich unter alliierter Besatzung stand, diente das Plassgut als Hauptquartier der US-amerikanischen Besatzungsmacht im Großraum Ansfelden und übernahm damit eine zentrale Funktion für die militärische und verwaltungsmäßige Organisation der Region.
Ab 1955
In den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg war Ökonomierat Albert Schreiberhuber an der Entwicklung Ansfeldens wesentlich beteiligt. Neben seiner Tätigkeit als Gutsbesitzer wirkte er auch als ÖVP Politiker. Mit seinem Einsatz für den Ausbau der Infrastruktur und die Erweiterung und Anbindung an das österreichische Autobahnnetz im Bereich der Autobahnraststätten legte er einen wesentlichen Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Ansfeldens. Dadurch konnten sich zahlreiche Betriebe ansiedeln, sodass sich Ansfelden in den folgenden Jahrzehnten, begünstigt durch die Nähe zum Wirtschaftsraum Linz, zu einem der wirtschaftlich dynamischsten Standorte im Zentralraum Oberösterreichs entwickelte. Darüber hinaus war Ökonomierat Albert Schreiberhuber an der Entwicklung des heutigen Stadtteils Haid beteiligt und setzte sich für die Errichtung der ersten Autobahnkirche Österreichs ein, die 1964 geweiht wurde. Sein Wirken steht in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen, infrastrukturellen und städtebaulichen Entwicklung Ansfeldens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
1964
Nach der Beendigung der Viehhaltung wandelte sich das Plassgut zu einem reinen Ackerbau- und Forstbetrieb, dessen Bewirtschaftung fortan ganz auf diese beiden traditionellen Wirtschaftszweige ausgerichtet war.
1975
Umstellung auf Minimalbodenbearbeitung, begleitet von einer wissenschaftlichen Arbeit an der Universität für Bodenkultur. Seitdem enge Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur in Wien (Vergleich von Pflugverfahren mit pfluglosen Bodenbearbeitungsverfahren, betriebswirtschaftliche Analysen von Energieeinsatz, Arbeitsstunden und CO₂-Haushalt).
1978
Mit der Übernahme des denkmalgeschützten Sumerauerhofes durch das Land Oberösterreich und dessen Etablierung als landwirtschaftlicher Denkmalhof sowie Freilichtmuseum stehen die zur Summerau gehörenden Ländereien weiterhin im Eigentum der Familie Schreiberhuber, die diese bis heute bewirtschaftet.
1988
Nachfolge in der Schreiberhuber’schen Guts- und Forstverwaltung. Mit der Übergabe des Schreiberhuber’schen Guts- und Forstbesitzes an DI Dr. Alfred Schreiberhuber tritt dieser die Nachfolge als Eigentümer an und übernimmt die Verantwortung für die weitere Führung des Familienbesitzes.
2008
Einführung des geografischen Positionierungssystems (GPS) im landwirtschaftlichen Einsatz. Mittlerweile sind alle Traktoren und Maschinen mit dieser selbststeuernden Technik ausgestattet.
2010
Die Primärbodenbearbeitung erfolgt im Rahmen einer konsequent pfluglosen Bewirtschaftung mittels Grubber. Dieses Verfahren dient der schonenden Bodenlockerung bei gleichzeitigem Erhalt der Bodenstruktur und der Einarbeitung von Ernterückständen.
2011
Kooperation mit Firma Pöttinger – Etablierung eines Demonstrations- und Vorzeigebetriebes. Gelungene Synthese zwischen Landmaschinenproduktion und Landmaschinenanwendung.
2012
Clemens M. Schreiberhuber, Sohn und Erbe von Dr. Alfred Schreiberhuber, trat in die Schreiberhuber’sche Guts- und Forstverwaltung ein und steht seither gemeinsam mit seinem Vater an deren Leitung.
2013
Die von Clemens M. Schreiberhuber gepachteten Betriebe wurden in die Schreiberhuber’sche Guts- und Forstverwaltung eingegliedert.
2014
Kooperation mit der kanadischen Firma Soucy Track – Etablierung eines Referenzbetriebes. Erster Einsatz radloser Traktoren mit Raupenlaufwerk.
2015
Enge Zusammenarbeit mit der Versuchsabteilung von Case IH Steyr im Rahmen gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Weiterentwicklung moderner Landtechnik, insbesondere im Bereich Präzisionslandwirtschaft und effizienter Feldbearbeitungssysteme.
2016
Generalsanierung des Ansitzes Auhof in Kremsmünster unter Auflagen des Denkmalschutzes sowie Neuerrichtung einer Kapelle in Anlehnung an den Stil des ausklingenden Historismus/Jugendstils, entsprechend der architektonischen Prägung des Ansitzes.
2017
Umstellung des gesamten Betriebes nach mehreren Versuchsjahren auf das System AKRA, bei dem mit stickstofffreien Bodenhilfsstoffen pflanzenphysiologisch bedeutende Nährstoffe mobilisiert werden und durch Anreicherung von Bodenbakterien Betriebsmittel einsparend Pflanzenwachstum und Pflanzengesundheit gefördert werden.
2021
Fokussierung auf die Saatgutvermehrung sowie die kontinuierliche Optimierung der entsprechenden Anbau- und Produktionsprozesse unter Berücksichtigung sich verändernder klimatischer Rahmenbedingungen zur Sicherstellung einer nachhaltigen Qualitäts- und Ertragsentwicklung.
2023
Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Agrarchemiekonzern BASF zur Forcierung innovativer Forschungs- und Entwicklungsprojekte in den Bereichen Pflanzenschutz, Produktionsoptimierung und nachhaltige Landwirtschaft.
2024
Standortvergrößerung der landwirtschaftlichen Versuchsabteilung für Österreich und die Schweiz, die von der Firma BASF in einem der angrenzenden Gutsgebäude des Plassguts eingemietet betrieben wird, mit dem Ziel einer Ausweitung der Forschungs- und Versuchstätigkeiten im Bereich moderner Pflanzenschutz- und Produktionssysteme.
2025
Beginn eines langjährigen Feldversuches in Kooperation mit CNH zur Evaluierung von Bodenbearbeitungs- und Saatverfahren mithilfe KI-gestützter Präzisionsmesstechnik und moderner Agrardrohnen.
2026
Das Tätigkeitsfeld der Gutsverwaltung wurde um ein Zuchtgatter in Ansfelden für Rot-, Dam- und Muffelwild erweitert.
Ansitz Auhof in Kremsmünster
Wappen der Freiherren von Summerau
Großprior Philipp Joachim Reichsfürst von Heitersheim, Reichsfreiherr Vogt von Altensummerau und Prasberg
Schloss Prasberg in einer historischen Ansicht von 1641
Franz Johann Reichsfreiherr Vogt von Altensumerau und Prasberg, Fürstbischof von Konstanz, Reichsfürst des Heiligen Römischen Reiches
Anton Thaddäus Freiherr von Summerau
Joseph Thaddäus Freiherr von Summerau
Gut Ritzlhof
Summerauer Hof
Ökonomierat Albert Schreiberhuber
Plassgut
Ansprache von Ökonomierat Albert Schreiberhuber (am Mikrofon) anlässlich der Eröffnung des neuen Stadtteils Haid der Stadtgemeinde Ansfelden im Beisein von Bundeskanzler Julius Raab (rechts im Bild)
DI. Dr. Alfred Schreiberhuber
Clemens M. Schreiberhuber













